1. Ausgangslage, Problemstellung Zielsetzung

ECATT LogoIm Rahmen seiner wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Forschungs- und Beratungstätigkeit untersucht unser Institut bereits schon seit 1987 regelmässig die Ausbreitung und Übernahme der Telearbeit in der Schweiz. Mit Hilfe wiederholter Repräsentativbefragungen in der aktiven Bevölkerung wurden Bekanntheitsgrad, wahrgenommene Vor- und Nachteile, Auswirkungen auf das Familienleben sowie allgemeine Akzeptanz und Anwendung dieser komplexen sozio-technischen Innovation untersucht. Bisherige Untersuchungsergebnisse aus diesen zeitlichen Längsschnittstudien wurden auszugsweise veröffentlicht bzw. stehen als käufliche Studien zur Verfügung.

In Anbetracht der gegenwärtigen stürmischen Entwicklung der Informatik und Telekommunikation und der Ausbreitung von ISDN und Inter-/Intranet, erhält die Erforschung der Diffusion dieser neuen Arbeitsform heute neue Aktualität und Dringlichkeit. Weitere aktuelle Stichworte in diesem Zusammenhang sind z.B. "Unternehmung" oder "Desk Sharing" (Auslagerung und Aufteilung von Büroarbeitsplätzen).

Im August 1998 hat WI.SO die vierte Umfrage mit gleichen Fragestellungen zu diesem Thema durchgeführt. Diese neueste Follow Up-Studie liefert aktuelle Daten und, durch den Vergleich mit früheren Umfragen, Aussagen über Entwicklungstrends. In anderen europäischen Ländern ist Telearbeit bekanntlich bereits wesentlich weiter verbreitet als in der Schweiz. Die neue WI.SO-Umfrage zeigt nun, dass Interesse und Bereitschaft für Telearbeit in der aktiven Bevölkerung auch bei uns langsam, aber stetig zunehmen. Erstmals konnten in einer solchen Umfrage einige aktive �Telearbeiter/-innen" identifiziert und befragt werden (siehe Telearbeit in der Schweiz: Langsam steigende Akzeptanz von Telearbeit).

Im Frühjahr 1999 führt ein Konsortium von renommierten Forschungsinstituten aus mehreren europäischen Ländern mit Unterstützung der EU-Kommission zum dritten mal seit 1985 und 1994 eine internationale Studie durch. Deren Gegenstand ist die Einführung und Anwendung moderner Kommunikationstechnologien in der Informationsgesellschaft, wobei nicht nur die Arbeitswelt, sondern erstmals auch neue Handelsformen und Geschäftsprozesse in die Studie einbezogen wer den ("Ways of Working and New Forms of Business"). Untersucht werden Wissen, Einstellungen, aktuelles und geplantes Verhalten bezüglich Telearbeit und Electronic Commerce (Projekt ECATT Electronic Commerce and Telework Trends). Dazu werden, nach einer international einheitlichen und vergleichbaren Methodik, Repräsentativbefragungen in der Bevölkerung und bei Unternehmungen durchgeführt.

Es handelt sich um eine wichtige, umfangreiche und aufwendige, in dieser Art einzigartige Studie im Rahmen des europäischen Forschungsprogramms ESPRIT. Allein für die beteiligten EU-Länder liegt das Forschungsbudget bei über 1 Mio ECU. Insgesamt werden in Europa mindestens 8'000 Privatpersonen und mindestens 4'000 Entscheidungsträger in privaten und öffentlichen Unternehmungen über Neue Arbeitsformen und Neue (Elektronische) Geschäftsmethoden befragt. Zusätzlich werden pro Land 10 sehr detaillierte Case Studies durchgeführt

Beteiligt sind Deutschland, UK, Spanien, Irland, Niederlande, Dänemark, Schweden, Finnland und Frankreich. In den USA und in Japan werden von Subcontractors gewisse Vergleichsdaten erhoben. Die Schweiz war bisher an allen diesen Studien im europäischen Rahmen leider nicht vertreten. Das ganze Gebiet der Telearbeit war bisher bei uns in Wissenschaft und Praxis noch wenig entwickelt und hinkte hinter dem Stand in fortgeschrittenen Ländern wie Grossbritannien und Skandinavien hinterher. Dies ist umso erstaunlicher, als die technischen Voraussetzungen für Telearbeit (gut ausgebautes Telekommunikationsnetz, hohe PC-Dichte) in unserem Land durchaus gegeben sind.

Auf unseren Vorschlag hin wird nun 1999 erstmals die Schweiz im Rahmen dieser pan-europäischen Studie berücksichtigt. In der Schweiz werden die Surveys von unserem Institut sowie von der Fachhochschule Solothurn Nordwestschweiz (FHSO) realisiert. Gemäss vereinbarter Arbeitsteilung ist WI.SO für die Bevölkerungsumfrage (General Population Survey GPS), die FHSO für die Unternehmungsbefragung (Decision Maker Survey DMS) verantwortlich und zuständig. Die Finanzierung der beiden Teilprojekte erfolgt durch Sponsoren bzw. durch den Bund. Für das 5. Rahmenforschungsprogramm der EU-Kommission wird gegenwärtig ein Antrag für die Finanzierung einer Fortsetzungsstudie (ECATT2000), wiederum unter Mitwirkung der Schweiz, vorbereitet.

Diese internationale Untersuchung ist ein absolutes Novum für die Schweiz. Unser Land hat in diesem Bereich grossen Nachholbedarf. Die Ergebnisse könnten dazu beitragen, Kenntnisse und Interesse bezüglich Telearbeit zu steigern und deren zukünftige Einführung auf breiter Basis zu fördern. Das Projekt hat zum Ziel, den Bekanntheitsgrad von Telearbeit und E-Commerce zu erhöhen und ein sehr viel stärkeres Bewusstsein von deren Möglichkeiten und Vorteilen in der Wirtschaft einerseits und in der Bevölkerung andererseits zu erzielen. Diese als internationales Benchmarking konzipierte Studie bietet die Möglichkeit, auf internationaler Ebene die Schweiz mit anderen Ländern, auf nationaler Ebene die einzelnen Wirtschaftssektoren miteinander vergleichen zu können.

 

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