TELEARBEIT UND TELEARBEITSPLÄTZE IN DER SCHWEIZ

Ergebnisse von Repräsentativbefragungen

Zusammenfassung des Referats an der Management-Tagung 98 �Mensch und Virtualität - Virtuelle Arbeits-, Führungs- und Kooperationsformen�, 9. September 1998, Fachhochschule Olten

 Telearbeit - Arbeitsform der Zukunft ?

Das Thema Telearbeit gewinnt heute neue Aktualität im Zeichen der Verbreitung von Inter- und Intranet sowie Virtualisierung. Für die virtuelle Organisation ist die Telematik das Mittel , Telearbeit und Wissensdatenbanken sind ihre betrieblichen Anwendungsformen (Wüthrich et al. 1997, 29).

Unter "Telearbeit" versteht man heute allgemein berufliche Erwerbstätigkeit an einem Arbeitsplatz, der mit Bildschirm ausgerüstet, betriebsorganisatorisch dezentral zu Hause oder in der Nähe des Wohnortes eingerichtet ist und Telekommunikationsverbindung zu einem räumlich entfernten Standort des Arbeit- oder Auftraggebers ermöglicht.

Heute wird Telearbeit häufig auch von sog. "Wissensarbeitern" (Knowledge Workers), von Beratern oder Verkäufern im Aussendienst ausgeführt. Diese arbeiten zu Hause oder bei Kunden oder unterwegs auf Geschäftsreise, mit dem gesamten Instrumentarium der modernen Kommunikations- und Informationstechnologie. Dabei entfällt oft der fest zugeteilte Büroarbeitsplatz mit dem "eigenen"S Schreibpult in der Firma. Statt dessen geht man, wie bei grossen Computerfirmen üblich, zu flexiblen Formen des Desk-Sharing über.

Der moderne Arbeitsplatz der Zukunft wird standardmässig aus einem mobilen Telefon und Telefax, mit zentralen Servern vernetztem PC oder Notebook-Computer, E-Mail sowie Anschluss an Intra- und Extranet mit intelligenten Suchsystemen für den Datenaustausch, für Electronic Brainstorming oder räumlich getrennte Gruppenarbeit, bestehen. Persönliche Besprechungen können durch Telefon- und Videokonferenzen für den Faktenaustausch ergänzt werden. Elektronische Planungstools erlauben dezentrales Arbeiten. Jeder Mitarbeiter erhält Zugriff auf den aktuellen Stand der Arbeit. Diese Geräte sollen ein integriertes Arbeits- und Informationssystem garantieren und die Gesamtproduktivität steigern (Wüthrich et al., 1997, 86; Zuberbühler 1998, 21). Jeder Telearbeiter sollte seinen Computer und seine Arbeitszeit selbst organisieren, so wie es ihm am besten passt. Entscheidend sind nicht mehr die physische Präsenz am Arbeitsplatz, sondern messbare Leistungen aufgrund von klar definierten Leistungszielen. Dies setzt eine neuartige Unternehmungskultur mit einem veränderten Führungsstil der Vorgesetzen voraus.

Empirische Untersuchungen über Telearbeit in der Schweiz

Die im Verlauf der letzten 12 Jahre jeweils untersuchten konkreten Forschungsfragen lauten:

1. Wie ist das Wissen, welches sind die Einstellungen und Verhaltensweisen in der Bevölkerung betreffend neue Informations- und Telekommunikationstechnologien im allgemeinen und Telearbeit im speziellen ?

2. Wie werden Vor- und Nachteile, das heisst potentiell diffusionsfördernde bzw. -hemmende Eigenschaften dieser Technologien (wie z.B. Komplexität, Kompatibilität, Gefahr sozialer Isolierung etc.), perzipiert und evaluiert?

3. Wie haben sich die genannten Variablen im Laufe der letzten Jahre verändert?

 

Untersuchungsergebnisse

Unsere Umfragen zeigen, kurz zusammengefasst, folgendes:

1. Mikroelektronik und Computer sind weithin verbreitete und akzeptierte Elemente unserer Arbeitswelt geworden. Der Besitz von bestimmten Telekommunikations- und EDV-Geräten in den Haushalten breitet sich weiter aus. Teilzeitarbeit und Arbeitsflexibilisierung entsprechen einem zunehmenden Bedürfnis weiter Bevölkerungskreise. Es bestehen somit sowohl technisch wie auch einstellungs- und verhaltensmässig auf der Arbeitnehmerseite günstige Ausgangsbedingungen und Voraussetzungen für die Diffusion der Telearbeit in der schweizerischen Bevölkerung.

2. Die beiden neuen Ausdrücke�Telearbeit� und �Telearbeitsplätzen� haben aber einen beschränkten Be kanntheitsgrad: Nur eine Minderheit aller Befragten hat schon einmal irgendwo davon gehört. Wir haben es hier immer noch (subjektiv gesehen) mit einer Innovation zu tun, deren Diffusionsprozess noch am Anfang steht.

3. Die persönliche Bereitschaft zur Ausführung von Telearbeit nimmt in den letzten Jahren langsam, aber kontinuierlich zu. Neuerdings können sich insgesamt rund zwei Drittel der Befragten vorstellen, Telearbeit in irgendeiner der möglichen Formen auszuführen. Etwas gesunken ist die Bereitschaft zur ausschliesslich individuellen, gestiegen jene für kollektive sowie beide Arten der Telearbeit.

4. Die meistgenannten Vorteile der Telearbeit sind nach Aussage der Befrag ten die Möglichkeit zur Flexibilisierung der Arbeit und der Arbeitszeit, sowie mehr oder bessere Gestaltung der Freizeit. Am zweithäufigsten wird der Wegfall des Arbeitsweges genannt. Weitere Argumente zugunsten der Telearbeit sind ferner die private und ruhigere Arbeitsathmosphäre zu Hause. Als Hauptnachteil erscheint der Verlust an zwischenmenschlichen Kontakten und die soziale Isolierung und Vereinsamung des Arbeitnehmers in seinen vier Wänden.

5. Vorläufig noch eine Minderheit glaubt an die Realisierungsmöglichkeit der Telearbeit in der eigenen Situation, d.h. daran dass diese neuartige Arbeitsform in Anbetracht ihrer gegenwärtigen Stellung und beruflichen Tätigkeit tatsächlich möglich und machbar wäre. Die Mehrheit hält Telearbeit hingegen in der eigenen Situation für nicht realisierbar. Die heutigen Beurteilungen und Bewertungen zeigen allerdings ein im Vergleich zur ersten Befragungswelle von 1987 vorteilhafteres Bild zugunsten der Machbarkeit von Telearbeit. Der Anteil derjenigen, welche die neue Arbeitsform als für sich realisierbar einstufen, hat kontinuierlich und signifikant zugenommen.

 

 

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